Detailhandelsfachleute EFZ · Prüfung · Stand
Das Qualifikationsverfahren (QV) schliesst die dreijährige Lehre als Detailhandelsfachfrau oder Detailhandelsfachmann EFZ ab. Es besteht aus vier Teilen. Die Berufskenntnisse dauern zwei Stunden und kombinieren schriftliche und mündliche Aufgaben.
Was das QV ist und wer es ablegt
Detailhandelsfachmann/-frau EFZ ist ein dreijähriger Lehrberuf. Das QV stützt sich auf das Berufsbildungsgesetz (BBG, SR 412.10), die Berufsbildungsverordnung (BBV, SR 412.101) und die Bildungsverordnung. Der Bildungsplan vom 16. Juni 2025 definiert sechs Handlungskompetenzbereiche. Die Ausführungsbestimmungen zum QV gibt Bildung Detailhandel Schweiz (BDS) heraus.
Du wählst bei Lehrbeginn einen Schwerpunkt: Gestalten von Einkaufserlebnissen oder Betreuen von Online-Shops. Dazu kommt deine Ausbildungs- und Prüfungsbranche (zum Beispiel Lebensmittel, Bekleidung, Sport). Beides steht später im Notenausweis.
Zulassung
Als Lernende/r wirst du über den Lehrbetrieb angemeldet. Erwachsene können nach Art. 32 BBV direkt zum QV zugelassen werden, wenn sie mindestens fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen, davon mindestens drei im Detailhandel. Das kantonale Amt prüft deine Unterlagen.
Qualifikationsbereiche und Gewicht
| Bereich | Gewicht | Inhalt |
|---|---|---|
| Praktische Arbeit (VPA) | 30 % | 90 Minuten vor Ort, drei Positionen |
| Berufskenntnisse | 30 % | 2 Stunden, schriftlich und mündlich, drei Positionen |
| Allgemeinbildung | 10 % | Separate Verordnung |
| Erfahrungsnote | 30 % | Noten aus Schule, überbetrieblichen Kursen und Betrieb |
Die Berufskenntnisse
Mehr dazu im Ratgeber Berufskenntnisse, VPA und Gespräche.
| Position | Bereich | Gewicht in der Note | Aufbau |
|---|---|---|---|
| 1 | a Gestalten von Kundenbeziehungen | 50 % | Schriftlich 20 Min. und mündlich 40 Min. (Gesprächsanalyse, Rollenspiel) |
| 2 | b Bewirtschaften und Präsentieren von Produkten und Dienstleistungen | 25 % | Schriftlich 20 Min. und mündlich 10 Min. |
| 3 | d Interagieren im Betrieb und in der Branche | 25 % | Schriftlich 20 Min. und mündlich 10 Min. |
Notenberechnung und Bestehen
Noten gehen von 1 bis 6, 4 ist genügend (Notensystem). Das QV ist bestanden, wenn die Note der praktischen Arbeit mindestens 4.0 ist und die Gesamtnote, auf eine Dezimalstelle gerundet, mindestens 4.0 beträgt.
Beispiel: VPA 4.5, Berufskenntnisse 4.0, Allgemeinbildung 5.0, Erfahrungsnote 4.8. Gesamtnote = 0.3 × 4.5 + 0.3 × 4.0 + 0.1 × 5.0 + 0.3 × 4.8 = 1.35 + 1.2 + 0.5 + 1.44 = 4.49, gerundet 4.5. Bestanden.
Wiederholung
Nach Art. 33 BBV kann das QV wiederholt werden, nach kantonalen Angaben zweimal. Welche Teile genau, regelt das kantonale Amt. Bei knappem Resultat lohnt sich das Gespräch mit dem Betrieb und der Berufsfachschule.
Kosten, Termine, Zuständigkeit
Das QV organisieren die Kantone mit Branchenexperten. Für Lernende fallen üblicherweise keine Prüfungsgebühren an. Termine meldet dir das Amt. Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse gibt es nicht, sie gelten nur für die höhere Berufsbildung (Bundesbeiträge).
Themen im Bildungsplan
- Gestalten von Kundenbeziehungen
- Bewirtschaften und Präsentieren von Produkten und Dienstleistungen
- Erwerben, Einbringen und Weiterentwickeln von Produkte- und Dienstleistungskenntnissen
- Interagieren im Betrieb und in der Branche
- Schwerpunkt: Gestalten von Einkaufserlebnissen
- Schwerpunkt: Betreuen von Online-Shops
Lernplan
Beratungssituationen und Gesprächsführung übst du am besten laut. Rechnen und Waren übst du mit Kalkulation, Warenschwund und MWST. Beratung findest du in Kundenberatung und Fragetechnik. Einen Plan zeigt Lernplan und typische Fehler.
Hinweise zur Vorbereitung auf die Gespräche
Weil ein grosser Teil der Berufskenntnisse mündlich ist, lohnt sich Training. Schreibe dir einen Leitfaden für Rollenspiele auf: Begrüssung, offene Fragen, Zusammenfassung, Nutzen, Einwand, Abschluss. Übe mit Kolleginnen und Kollegen und lass dir sagen, was gut ankommt. Wer zu Hause laut übt, wirkt in der Prüfung sicherer.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
Selbsttest
Beantworte die Fragen im Kopf und öffne dann die Lösung.
Aufgabe 1
Welche Fragetechnik ist am besten geeignet, um die Bedürfnisse einer Kundin zu Beginn der Beratung breit zu erfassen?
- Geschlossene Fragen, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können
- Offene Fragen, die der Kundin Raum geben, ihre Situation in eigenen Worten zu beschreiben
- Suggestivfragen, die bereits ein bestimmtes Produkt vorwegnehmen
- Rhetorische Fragen, auf die keine Antwort erwartet wird
Lösung anzeigen
Richtig: B. Offene Fragen lassen der Kundin Raum, ihre Situation in eigenen Worten zu beschreiben. Geschlossene Fragen eignen sich erst später, um Details einzugrenzen.
Aufgabe 2
Welche der folgenden Ursachen zählt NICHT zu den typischen Gründen für Warenschwund im Detailhandel?
- Ladendiebstahl durch Kundschaft oder Personal.
- Bruch und Verderb von Ware im Lager oder im Verkaufsraum.
- Erfassungsfehler beim Wareneingang oder an der Kasse.
- Eine geplante, korrekt ausgezeichnete saisonale Preisreduktion.
Lösung anzeigen
Richtig: D. Warenschwund ist der ungeplante Verlust von Ware durch Diebstahl, Bruch, Verderb oder Erfassungsfehler. Eine geplante Preisreduktion ist eine bewusste Massnahme und kein Schwund.
Aufgabe 3
Weshalb müssen Notausgänge im Warenhaus City-Point jederzeit frei zugänglich bleiben?
- Damit im Notfall, etwa bei einem Brand, alle Personen das Gebäude rasch und sicher verlassen können.
- Damit zusätzlicher Lagerraum für Saisonware entsteht.
- Damit die Reinigungsequipe dort Material zwischenlagern kann.
- Weil Notausgänge nur bei behördlichen Kontrollen eine Rolle spielen.
Lösung anzeigen
Richtig: A. Notausgänge müssen im Ernstfall allen Personen eine rasche und sichere Flucht ermöglichen. Werden sie zugestellt, drohen erhebliche Gefahren für Kundschaft und Personal.
Beispielfragen aus dem Gratis-Test
Wähle eine Antwort im Kopf und öffne dann die Lösung.
Frage 1
Welche Phase folgt im klassischen Verkaufsgespräch typischerweise auf die Bedarfsermittlung?
- Die Verabschiedung der Kundin
- Die Produktpräsentation mit Bezug auf die erkannten Bedürfnisse
- Die Reklamationsbearbeitung
- Die Inventurkontrolle
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Nach der Bedarfsermittlung folgt die Produktpräsentation, in der die ermittelten Bedürfnisse mit konkreten Produkteigenschaften und Nutzenargumenten verknüpft werden.
Frage 2
Warum platziert die Drogerie Amrein margenstarke Eigenmarken bevorzugt in der Sichtzone?
- Weil dort die höchste Aufmerksamkeit erzielt und so der Ertrag pro Regalfläche gesteigert wird
- Weil dort weniger Staub entsteht
- Weil das gesetzlich vorgeschrieben ist
- Weil dort die Beleuchtung am schwächsten ist
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: A. Produkte in der Sichtzone werden am meisten wahrgenommen und daher auch häufiger gekauft. Durch die Platzierung margenstarker Artikel auf Augenhöhe kann der Ertrag pro Regalfläche gezielt gesteigert werden. Weniger ertragreiche oder sehr bekannte Artikel wandern eher in Reck- oder Bückzone.
Frage 3
Welche Vorgehensweise ist geeignet, damit eine Mitarbeiterin bei Drogerie Amrein über neue Trends in der Kosmetikbranche informiert bleibt?
- Sie besucht Fachschulungen der Lieferanten und liest anerkannte Fachpublikationen.
- Sie übernimmt unverifizierte Behauptungen aus einem einzelnen Social-Media-Beitrag.
- Sie verzichtet auf eine laufende Information, da sich Trends ohnehin schnell wieder ändern.
- Sie verlässt sich ausschliesslich auf das, was ihr eine Kundin erzählt.
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: A. Fachschulungen der Lieferanten und anerkannte Fachpublikationen liefern geprüfte Informationen zu neuen Trends und deren Hintergründen. Unverifizierte Behauptungen aus einzelnen Social-Media-Beiträgen sind dagegen keine verlässliche Fachquelle.
Frage 4
Zwei Mitarbeitende der Drogerie Rosental sind sich uneinig, wer am Mittwochabend die Inventur übernimmt, und der Ton wird zunehmend schärfer. Was ist der angemessene erste Schritt?
- Das Problem wird öffentlich vor Kundschaft ausdiskutiert.
- Die beiden suchen das klärende Gespräch unter vier Augen oder ziehen bei Bedarf die Vorgesetzte früh bei.
- Beide ignorieren das Thema, bis es sich von selbst erledigt.
- Eine dritte Person trifft ohne Rücksprache eine endgültige Entscheidung für beide.
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Ein klärendes Gespräch unter vier Augen oder frühzeitig mit Einbezug der Vorgesetzten hilft, die Situation sachlich zu lösen, bevor sie weiter eskaliert. Öffentliches Austragen von Konflikten vor Kundschaft schadet dem Betriebsklima und dem Aussenbild.
Frage 5
Kosmetikstudio-Shop Claire lässt Kundinnen während der Beratung eine Creme auf der Hand testen und gleichzeitig deren Duft wahrnehmen. Welches Prinzip wird damit genutzt?
- Reine Preisargumentation ohne weitere Reize
- Den gezielten Einbezug mehrerer Sinne während der Beratung
- Den vollständigen Verzicht auf jede Produktberührung
- Die ausschliessliche Nutzung visueller Werbeplakate
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Durch den gezielten Einbezug mehrerer Sinne – hier Tastsinn und Geruchssinn – wird die Produkterfahrung intensiver und bleibt in der Erinnerung der Kundin besser haften als eine rein verbale Beschreibung. Dieses Vorgehen stützt sich auf multisensorische Gestaltung.
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Detailhandelsfachleute EFZ: 1'103 Übungsfragen mit Erklärung
20 Fragen pro Themenbereich und das erste Theoriekapitel, ohne Karte und ohne Anmeldung als Gast.
Häufige Fragen
Wie lange dauern die Berufskenntnisse?
Zwei Stunden, aufgeteilt in drei Positionen mit schriftlichem und mündlichem Teil.
Wie lange dauert die VPA?
90 Minuten vor Ort, in drei Positionen.
Wann habe ich bestanden?
Praktische Arbeit mindestens 4.0 und Gesamtnote mindestens 4.0.
Was ist ein Schwerpunkt?
Entweder Gestalten von Einkaufserlebnissen oder Betreuen von Online-Shops. Er wird im Lehrvertrag festgelegt.
Kann ich wiederholen?
Ja, nach Art. 33 BBV. Details beim kantonalen Amt.
Quellen und weiterführende Links
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