Elektroinstallateur/in EFZ · VPA und Berufskenntnisse · Stand
Zwei Prüfungsteile entscheiden zusammen 60 % der Gesamtnote: die vorgegebene praktische Arbeit (VPA) mit 40 % und die schriftlichen Berufskenntnisse mit 20 %. Beide müssen mindestens 4.0 ergeben. Hier siehst du, wie sie aufgebaut sind.

Zwei Regelwerke, ein Beruf
Für das Qualifikationsverfahren gelten bis Ende 2029 die Regeln der Verordnung von 2015. Die neue Verordnung von 2025 gibt dem QV erst ab 1. Januar 2030 die neue Form. Die Gewichtung 40/20/20/20 hat sich bei der Reform nicht verändert. Geändert haben sich Dauer und Art der Berufskenntnisse-Prüfung sowie die Gliederung der Inhalte.
| Merkmal | Verordnung 2015 | Verordnung 2025 |
|---|---|---|
| Praktische Arbeit | 20 Stunden | 20 Stunden mit 30 Minuten Fachgespräch |
| Berufskenntnisse | 6 Stunden, schriftlich oder schriftlich plus mündlich (mündlich höchstens 1,5 Stunden) | 4 Stunden, schriftlich |
| Gliederung der Inhalte | Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen | Handlungskompetenzbereiche a bis f |
Die praktische Arbeit (VPA)
Du bearbeitest vorgegebene Aufgaben in einer Prüfungssituation. Experten bewerten Ausführung, Arbeitsweise, Sicherheit und Resultat. Nach der neuen Verordnung ist die Bewertung innerhalb der VPA so verteilt:
- 30 % Handlungskompetenzbereiche a bis c (Organisieren, Rohbau, Elektroanlagen)
- 30 % Bereich d (Gebäudetechnik)
- 30 % Bereiche e und f (Dienstleistungen, Abschliessen der Installation)
- 10 % Fachgespräch
Was bei der VPA zählt
- Sicherheitsregeln einhalten: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit prüfen.
- Saubere Verlegung und Befestigung, richtige Leiterfarben und Beschriftung.
- Plan und Schema lesen und umsetzen.
- Messen und Prüfen mit dem richtigen Gerät, Protokoll führen.
- Arbeitsplatz ordnen, Abfälle trennen.
- Fachgespräch: Entscheide erklären und Normen begründen.
Berufskenntnisse (schriftlich)
Nach der neuen Verordnung werden die Berufskenntnisse so gewichtet: 40 % Bereiche a bis c, 40 % Bereich d, 20 % Bereiche e und f. Typische Aufgaben sind Berechnungen, Schemata, Normfragen und Fallbeispiele. Ob die Prüfung Single Choice, offene Fragen oder Mischformen enthält, legen die Prüfungsunterlagen fest.
Frag deine Berufsfachschule nach Beispielprüfungen und dem Hilfsmittelreglement. Notiere dir, ob Formelsammlung und Taschenrechner erlaubt sind.
Erfahrungsnote
Die Erfahrungsnote zählt 20 % und besteht zur Hälfte aus dem Mittel der Noten der Berufskenntnisse in der Schule (acht Semester) und zur Hälfte aus dem Mittel der vier benoteten Kompetenznachweise der überbetrieblichen Kurse. Das gilt nach alter und neuer Verordnung. Jede Note zählt also schon lange vor dem Prüfungstag.
Mängel und Dokumentation
In der Prüfung wie im Alltag gilt: Wird ein Mangel festgestellt, wird er dokumentiert und vor der Abnahme behoben oder mit Kundschaft oder Bauleitung besprochen. Nichts verschweigen, nichts rein mündlich behandeln.
Direkte Zulassung nach Art. 32 BBV
Wer als Erwachsene/r ohne Lehre zugelassen wird, hat keine Erfahrungsnote. Dann zählen die VPA 50 %, die Berufskenntnisse 30 % und die Allgemeinbildung 20 % (Art. 24 der Verordnung 2015, Art. 19 Abs. 6 der Verordnung 2025). Bestehen musst du in beiden fachlichen Bereichen mit mindestens 4.0.
Weiter im Ratgeber
Den Überblick zum Verfahren findest du im Hauptratgeber. Zum Rechnen: Ohmsches Gesetz und Spannungsfall.
Aufgabentypen der Berufskenntnisse
Die Berufskenntnisse umfassen in der Praxis verschiedene Aufgabentypen. Bereite dich auf jeden vor.
| Typ | Beispiel | Vorbereitung |
|---|---|---|
| Berechnung | Strom, Leistung, Spannungsfall bestimmen | Formeln und Einheiten üben |
| Schema und Plan | Schaltung lesen, ergänzen, zeichnen | Symbole und Normen kennen |
| Normfrage | Schutzorgan oder Massnahme auswählen | Grundlagen der NIN verstehen |
| Fallbeispiel | Mangel feststellen und korrekt vorgehen | Abläufe und Dokumente kennen |
| Materialwahl | Leitung, Dose, Rohr auswählen | Produktkunde im Betrieb vertiefen |
Schritt-für-Schritt-Plan für die VPA
Zeitreserven einplanen: Die 20 Stunden sind knapp, wenn du Fehler korrigieren musst.
- Aufgabe lesen, offene Fragen sofort klären.
- Pläne, Schemata und Materialliste prüfen.
- Arbeitsplatz einrichten, Werkzeug und Messgeräte kontrollieren.
- Sicherheitsregeln einhalten, bevor du an Anlagen arbeitest.
- Installation ausführen, laufend kontrollieren.
- Messen, prüfen, Protokoll ausfüllen.
- Arbeitsplatz räumen, Abfälle trennen, Übergabe vorbereiten.
Die Rolle von Normen und Dokumenten
Die Niederspannungs-Installationsnorm NIN (SN 411000) von Electrosuisse legt fest, wie Installationen auszuführen sind. Die Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV, SR 734.27) regelt, wer Installationen erstellen und kontrollieren darf. In Berufskenntnissen und VPA zeigt sich, ob du Grundsätze der Norm anwenden kannst, nicht ob du Nummern auswendig kennst. Wichtige Dokumente sind Stückliste, Schema, Messprotokoll und Installationsanzeige beziehungsweise Sicherheitsnachweis. Welche Unterlagen in deinem Fall verlangt sind, richtet sich nach Betrieb und Anlage.
Häufige Punktverluste in der VPA
Plane für Messungen und Dokumentation mindestens eine Stunde ein. Sie werden oft unterschätzt.
- Sicherheitsregeln ausgelassen oder in falscher Reihenfolge angewendet.
- Zu wenig Zeit für Messung und Protokoll am Ende.
- Beschriftung von Verteilern und Leitungen fehlt oder ist unleserlich.
- Material falsch gewählt, weil die Stückliste nicht geprüft wurde.
- Arbeitsplatz unordentlich, Abfall nicht getrennt.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
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Häufige Fragen
Was zählt mehr, VPA oder Berufskenntnisse?
Die VPA zählt 40 %, die Berufskenntnisse 20 % der Gesamtnote.
Gibt es ein Fachgespräch?
Die neue Verordnung nennt ein Fachgespräch von 30 Minuten innerhalb der VPA (10 % der VPA-Note). Die Verordnung von 2015 sieht in der VPA kein eigenes Fachgespräch vor, die Berufskenntnisse können dort aber einen mündlichen Teil von höchstens 1½ Stunden enthalten.
Welche Verordnung gilt für mich?
Wer vor 2026 gestartet ist, schliesst nach den Regeln der alten Verordnung ab, sofern der Abschluss vor dem 31. Dezember 2031 erfolgt. Dein Lehrvertrag und das Amt geben Auskunft.
Darf ich eine Formelsammlung verwenden?
Das legt das Hilfsmittelreglement der Prüfung fest. Frag deine Schule.
Quellen und weiterführende Links
- EIT.swiss (Träger der Berufsbildung)
- SBFI Berufsverzeichnis: Elektroinstallateur/in EFZ (ab Lehrbeginn 2026)
- Fedlex: Bildungsverordnung vom 30. Juni 2025 (SR 412.101.220.45)
- Fedlex: Bildungsverordnung vom 27. April 2015 (bisheriges Recht)
- Berufsberatung.ch: Elektroinstallateur/in EFZ
- Electrosuisse (NIN SN 411000)
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