FaBe EFZ · Prüfung · Stand
Das Qualifikationsverfahren (QV) bildet den Abschluss der dreijährigen Lehre als Fachfrau oder Fachmann Betreuung EFZ. Die praktische Arbeit zählt am meisten, die Berufskenntnisse sind eine schriftliche Prüfung von drei Stunden ohne Hilfsmittel. Hier erfährst du, wie alles gewichtet wird.
Was das QV für FaBe ist
Fachfrau/Fachmann Betreuung EFZ ist ein dreijähriger Lehrberuf. Das Qualifikationsverfahren stützt sich auf das Berufsbildungsgesetz (BBG, SR 412.10), die Berufsbildungsverordnung (BBV, SR 412.101) und die Bildungsverordnung mit Bildungsplan vom 21. August 2020. Die Organisation der Arbeitswelt SAVOIRSOCIAL gibt Ausführungsbestimmungen zum QV heraus.
Du wählst bei Lehrbeginn eine von vier Ausrichtungen. Sie bestimmt die Inhalte im Fachrichtungsteil der Berufskenntnisse.
- Fachrichtung Kinder
- Fachrichtung Menschen mit Beeinträchtigung
- Fachrichtung Menschen im Alter
- Generalistische Ausbildung
Zulassung
Lernende werden über Lehrbetrieb und kantonales Amt angemeldet. Erwachsene ohne Lehre können nach Art. 32 BBV direkt zum QV zugelassen werden, wenn sie mindestens fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen, davon mindestens drei im Beruf. Das Amt prüft deine Unterlagen. Eine ergänzende Möglichkeit bieten verkürzte oder Nachholbildungen. Frag bei deinem Kanton nach.
Die vier Qualifikationsbereiche
Details zur Prüfung findest du im Ratgeber Berufskenntnisse, VPA und Fachgespräch.
| Bereich | Gewicht | Inhalt |
|---|---|---|
| Praktische Arbeit (VPA) | 40 % | Vier Praxisaufgaben (3 Stunden) und Fachgespräch (30 Minuten) |
| Berufskenntnisse | 20 % | Schriftlich, 3 Stunden, keine Hilfsmittel |
| Allgemeinbildung | 20 % | Separate Verordnung |
| Erfahrungsnote | 20 % | Noten aus Schule und überbetrieblichen Kursen |
Die Berufskenntnisse im Detail
Welches Aufgabenformat verwendet wird, legen die Prüfungsunterlagen fest. Rechne mit Wissensfragen und fallbezogenen Aufgaben.
| Position | Dauer | Anteil an der Note | Inhalt |
|---|---|---|---|
| 1: Allgemeiner Teil | 120 Min. | 70 % | Gemeinsame Handlungskompetenzbereiche A bis D |
| 2: Fachrichtungsteil | 60 Min. | 30 % | Bereiche E und F deiner Fachrichtung |
Notenberechnung und Bestehensregel
Noten gehen von 1 bis 6, wobei 4 genügend ist. Mehr dazu: Schweizer Notensystem. Die Gesamtnote ergibt sich aus der gewichteten Summe der vier Bereiche und wird auf eine Dezimalstelle gerundet. Die praktische Arbeit muss nach den Ausführungsbestimmungen für sich genommen mindestens 4.0 sein, die Gesamtnote ebenfalls. Kontrolliere in deiner Wegleitung, ob weitere Bedingungen gelten.
Beispiel: VPA 5.0, Berufskenntnisse 4.0, Allgemeinbildung 4.5, Erfahrungsnote 4.8. Gesamtnote = 0.4 × 5.0 + 0.2 × 4.0 + 0.2 × 4.5 + 0.2 × 4.8 = 2.0 + 0.8 + 0.9 + 0.96 = 4.66, gerundet 4.7.
Wiederholung
Nach Art. 33 BBV kann das QV wiederholt werden, nach kantonalen Angaben zweimal. Ob du nur einzelne Bereiche oder mehr wiederholen musst, und wie die Betreuung dazwischen aussieht, klärst du mit dem kantonalen Berufsbildungsamt und deinem Betrieb.
Termine, Kosten, Zuständigkeit
Die Kantone organisieren das QV. Termine, Prüfungsorte und allfällige Gebühren meldet dir das kantonale Berufsbildungsamt. Für Lernende ist das Verfahren üblicherweise gebührenfrei. Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse gibt es nicht, sie gelten nur für die höhere Berufsbildung (Bundesbeiträge).
Themen im Bildungsplan
- Transversale Kompetenzen (Berufsrolle, Reflexion, Kommunikation)
- Begleiten im Alltag
- Autonomie und Partizipation ermöglichen
- Arbeiten in Organisation und Team
- Fachrichtung: Begleitsituationen sowie Bildung und Entwicklung
Lernplan neben der Arbeit
Du arbeitest im Schichtdienst oder mit Wochenendeinsätzen. Plane feste, kurze Einheiten: drei Mal 40 Minuten und einmal eine längere Wiederholung. Fachthemen findest du in Nähe, Distanz und Schweigepflicht und Partizipation und Selbstbestimmung. Einen Wochenplan und typische Fehler zeigt Lernplan und typische Fehler.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
Selbsttest
Beantworte die Fragen im Kopf und öffne dann die Lösung.
Aufgabe 1
Welche Frage gehört am ehesten zu einer strukturierten Selbstreflexion nach dem Arbeitstag?
- Was ist heute gut gelungen, was war schwierig, und was nehme ich mir für eine ähnliche Situation morgen vor?
- Wer im Team hat heute am meisten Fehler gemacht?
- Wie kann ich den Arbeitstag möglichst schnell abschliessen, ohne ihn gedanklich noch einmal anzuschauen?
- Welche betreute Person war heute am anstrengendsten für das Team?
Lösung anzeigen
Richtig: A. Eine strukturierte Selbstreflexion fragt nach Gelungenem, Schwierigem und einer konkreten Konsequenz für die eigene Praxis, statt andere Personen zu bewerten.
Aufgabe 2
Welches Ziel verfolgt der Einbezug betreuter Personen in hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Tischdecken oder Abtrocknen?
- Er fördert Selbständigkeit, Alltagskompetenz und das Gefühl, einen sinnvollen Beitrag zu leisten.
- Er dient in erster Linie dazu, Personalkosten der Institution zu senken.
- Er soll der Fachperson möglichst viel eigene Arbeit abnehmen.
- Er ist fachlich ohne Bedeutung und rein organisatorisch motiviert.
Lösung anzeigen
Richtig: A. Der Einbezug fördert Selbständigkeit, Alltagskompetenz und Teilhabe. Er dient nicht dazu, Personalkosten zu sparen oder der Fachperson Arbeit abzunehmen.
Aufgabe 3
In einem Team entsteht wiederholt Spannung wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Tagesstruktur. Welches Vorgehen entspricht professioneller Teamarbeit?
- Der Konflikt wird in einer Teamsitzung sachlich angesprochen und eine gemeinsam tragbare Lösung gesucht.
- Jede Fachperson setzt die Tagesstruktur weiterhin nach eigenem Ermessen um, ohne sich abzustimmen.
- Die Spannung wird ignoriert, in der Hoffnung, dass sie sich von selbst löst.
- Eine Fachperson wendet sich direkt an die betreuten Personen, um sie für die eigene Sichtweise zu gewinnen.
Lösung anzeigen
Richtig: A. Konfliktklärung im Team erfolgt sachlich und strukturiert, zum Beispiel in der Teamsitzung, mit dem Ziel einer gemeinsam getragenen Lösung.
Beispielfragen aus dem Gratis-Test
Wähle eine Antwort im Kopf und öffne dann die Lösung.
Frage 1
Welches Mittel unterstützt die Kommunikation mit einer betreuten Person, die sich nur eingeschränkt verbal ausdrücken kann?
- Ausschliesslich lautes und langsames Sprechen, ohne weitere Hilfsmittel.
- Zusätzliche nonverbale und unterstützende Mittel wie Gestik, Bildkarten oder einfache Gebärden einsetzen.
- Komplexe Satzkonstruktionen verwenden, um Höflichkeit zu zeigen.
- Die Kommunikation auf ein Minimum reduzieren, um die Person nicht zu überfordern.
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Adressatengerechte Kommunikation (HK a4) nutzt bei eingeschränkter Verbalsprache gezielt zusätzliche, unterstützende Mittel, um Verständnis und Teilhabe zu sichern.
Frage 2
Im Wohnheim Lindenhof möchte der Bewohner Herr Brunner am Morgen länger schlafen, während der Tagesplan eine gemeinsame Frühaktivität vorsieht. Wie geht die Fachperson planerisch korrekt vor?
- Sie weckt ihn pünktlich, weil der Tagesplan für alle Bewohnenden gleich gilt.
- Sie prüft, ob sich der Wunsch von Herrn Brunner mit einer kleinen Anpassung des Tagesplans vereinbaren lässt, und bespricht dies bei Bedarf im Team.
- Sie lässt ihn die ganze Aktivität verpassen, ohne jemanden im Team zu informieren.
- Sie teilt ihm mit, dass individuelle Wünsche in der Institution grundsätzlich nicht möglich seien.
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Gute Arbeitsplanung (HK b1) sucht aktiv nach vertretbaren Anpassungen für individuelle Bedürfnisse und hält Abweichungen im Team transparent, statt den Plan unreflektiert durchzusetzen oder zu umgehen.
Frage 3
Der Jugendliche Timo in der Wohngruppe Rebberg hat seit dem Einzug kaum noch Kontakt zu seinen früheren Freunden. Welche Massnahme unterstützt seine sozialen Beziehungen am sinnvollsten?
- Die Fachperson rät ihm, den Kontakt abzubrechen, damit er sich besser auf das neue Umfeld konzentrieren kann.
- Die Fachperson bespricht mit Timo, wie Besuche oder Treffen mit den früheren Freunden organisiert werden können, und unterstützt ihn dabei.
- Die Fachperson kontaktiert die Freunde direkt, ohne Timo vorher einzubeziehen.
- Die Fachperson überlässt das Thema vollständig den Eltern.
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Handlungskompetenz c3 verlangt, dass die Fachperson gemeinsam mit der betreuten Person - hier Timo - praktische Wege findet, bestehende Beziehungen aufrechtzuerhalten, statt sie abzubrechen oder die Verantwortung abzugeben.
Frage 4
Was bedeutet ein institutioneller Standard, zum Beispiel zur Körperpflege, im Qualitätsmanagement einer Betreuungseinrichtung?
- Er ist eine unverbindliche Empfehlung, die jede Fachperson frei anpassen darf.
- Er legt ein einheitliches, fachlich abgestütztes Vorgehen fest, das die Qualität unabhängig von der jeweils diensthabenden Person sichert.
- Er gilt nur für neue Mitarbeitende in der Einarbeitung.
- Er wird einmalig erstellt und nie mehr überprüft.
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Ein institutioneller Standard (HK d4) legt ein einheitliches, fachlich begründetes Vorgehen fest, das die Qualität der Betreuung unabhängig von der jeweiligen Fachperson sichert, und wird periodisch überprüft.
Frage 5
Welches Merkmal kennzeichnet eine gute Begleitung von Gruppensituationen in der Kita?
- Die Fachperson richtet ihre Aufmerksamkeit ausschliesslich auf die Gruppe als Ganzes.
- Die Fachperson behält sowohl die Dynamik der Gruppe als auch die Bedürfnisse einzelner Kinder im Blick.
- Die Fachperson greift grundsätzlich bei jedem Konflikt zwischen Kindern sofort ein.
- Die Fachperson überlässt die Gruppe sich selbst, solange kein Lärm entsteht.
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Richtig: B. Gruppensituationen zu begleiten (HK e4) verlangt einen doppelten Blick: die Gruppendynamik wahrnehmen und gleichzeitig einzelne Kinder und ihre Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren.
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Häufige Fragen
Wie lange dauert die Berufskenntnisse-Prüfung?
Drei Stunden, schriftlich, ohne Hilfsmittel: 120 Minuten allgemeiner Teil und 60 Minuten Fachrichtungsteil.
Wie lange dauert das Fachgespräch?
30 Minuten: 10 Minuten Präsentation und 20 Minuten Fachaustausch.
Was zählt am meisten?
Die praktische Arbeit mit 40 %.
Gibt es Bundesbeiträge?
Nein, die gibt es nur für eidgenössische Berufs- und höhere Fachprüfungen.
Kann ich das QV wiederholen?
Ja, nach Art. 33 BBV. Details klärst du mit dem Kanton.
Quellen und weiterführende Links
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