Lagerkennzahlen berechnen: Umschlag, Lagerdauer, Auslastung

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Logistiker/in EFZ · Lagerrechnen · Stand

Kennzahlen zeigen, wie gut ein Lager arbeitet. In den Berufskenntnissen musst du sie berechnen und deuten können. Mit sechs Formeln deckst du die meisten Aufgaben ab.

Warum Kennzahlen

Ein Lager bindet Kapital, braucht Platz und verursacht Kosten. Kennzahlen machen sichtbar, ob zu viel oder zu wenig Ware liegt, ob Platz genutzt wird und wie schnell gearbeitet wird. Sie helfen, Entscheide zu begründen.

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Fragen mit Lösungen

Durchschnittlicher Lagerbestand

Einfach: (Anfangsbestand + Endbestand) / 2. Genauer ist der Durchschnitt aus mehreren Stichtagen, zum Beispiel zwölf Monatsendbeständen. Welche Methode gilt, nennt die Aufgabe.

Beispiel: Anfangsbestand CHF 250'000, Endbestand CHF 350'000. Durchschnitt = (250'000 + 350'000) / 2 = CHF 300'000.

Lagerumschlag und Lagerdauer

Beispiel: Jahresverbrauch CHF 1'200'000 zu Einstandswerten, durchschnittlicher Bestand CHF 300'000. Umschlag = 1'200'000 / 300'000 = 4. Lagerdauer = 360 / 4 = 90 Tage.

Deutung: Ein hoher Umschlag bedeutet weniger gebundenes Kapital und weniger Platzbedarf. Er kann aber auch zu häufigen Nachbestellungen führen. Eine tiefe Lagerdauer ist nicht immer besser. Ein Sicherheitsbestand schützt vor Lieferausfällen.

Formeln
KennzahlFormel
LagerumschlagJahresverbrauch / durchschnittlicher Lagerbestand
Durchschnittliche Lagerdauer (Tage)360 / Lagerumschlag
Lagerauslastung (%)belegte Plätze / vorhandene Plätze × 100
KommissionierleistungPositionen / Stunde
Fehlerquote (%)fehlerhafte Aufträge / alle Aufträge × 100

Lagerauslastung

Ein Lager hat 600 Palettenplätze, 420 sind belegt. Auslastung = 420 / 600 × 100 = 70 %. Sehr hohe Werte nahe 100 % bremsen die Arbeit, weil keine freien Plätze für Umlagerungen bleiben. Sehr tiefe Werte deuten auf ungenutzten Raum.

Kommissionierleistung und Fehlerquote

Eine Mitarbeiterin kommissioniert in 4 Stunden 360 Positionen. Leistung = 360 / 4 = 90 Positionen pro Stunde. Bei 400 Aufträgen mit 3 Fehlern ist die Fehlerquote 3 / 400 × 100 = 0,75 %.

Lagerkosten und Lagerzinssatz

Gebundenes Kapital verursacht Zinskosten. Lagerzinssatz = Jahreszinssatz × durchschnittliche Lagerdauer / 360. Beispiel: Jahreszins 4 %, Lagerdauer 90 Tage: 4 % × 90 / 360 = 1 %. Bei einem durchschnittlichen Bestand von CHF 300'000 sind die Zinskosten für ein Jahr 4 % × 300'000 = CHF 12'000.

Rechnet eine Aufgabe mit 365 statt 360 Tagen, nimm den Wert aus der Aufgabe.

Platz und Volumen

Volumen = Länge × Breite × Höhe. Eine Palette mit 1,2 m × 0,8 m und Ladehöhe 1,5 m hat 1,44 m³. Ein Raum von 12 m × 10 m × 6 m (720 m³) mit Palettenregalen bietet nicht 720 m³ Lagerraum, weil Gänge, Regalstruktur und Sicherheitsabstände abgezogen werden. Rechne mit der Nutzfläche oder den Plätzen.

Typische Fehler

Weiter mit ABC-Analyse und Lagerplatzvergabe und dem Hauptratgeber.

  • Verbrauch und Bestand mit verschiedenen Bewertungsgrundlagen gerechnet (Einstandswert gegen Verkaufswert).
  • Endbestand statt Durchschnitt verwendet.
  • Lagerdauer mit 12 oder 365 verwechselt.
  • Prozente nicht auf die richtige Grundmenge bezogen.

Bestellmenge und Meldebestand

Weitere Kennzahlen betreffen die Beschaffung. Der Meldebestand zeigt, bei welchem Bestand nachbestellt wird: Meldebestand = Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand.

Beispiel: Tagesverbrauch 40 Stück, Lieferzeit 6 Tage, Sicherheitsbestand 80 Stück. Meldebestand = 40 × 6 + 80 = 320 Stück. Sinkt der Bestand auf 320, wird bestellt.

Die optimale Bestellmenge sucht den Punkt, an dem Bestellkosten und Lagerkosten zusammen am tiefsten sind. Viele kleine Bestellungen erhöhen die Bestellkosten, wenige grosse Bestellungen erhöhen die Lagerkosten. Die Aufgabe nennt in der Regel die Formel oder eine Tabelle.

Inventurdifferenz

Inventurdifferenz = Istbestand minus Sollbestand. Sind 480 Stück gezählt und 500 gebucht, ist die Differenz −20. Ursachen können Schwund, Fehlbuchungen oder Falschlieferungen sein. Wichtig ist die Klärung der Ursache und die korrekte Anpassung der Bestandsführung nach Vorgaben des Betriebs.

Ladungs- und Gewichtsrechnungen

Eine Ladefläche trägt zulässig 8'000 kg. Pro Palette werden 450 kg gerechnet. Es passen 8'000 / 450 = 17,7, also höchstens 17 Paletten nach Gewicht. Prüfe immer zusätzlich die Platzgrenze. Passen nur 14 Paletten auf die Fläche, ist die Platzgrenze entscheidend. Das kleinere Ergebnis gilt.

Aufgabenstrategie

Mit dieser Routine vermeidest du die meisten Flüchtigkeitsfehler, auch unter Zeitdruck.

  • Lies die Aufgabe zweimal und markiere gegebene und gesuchte Grössen.
  • Schreibe die Formel auf, bevor du Zahlen einsetzt.
  • Rechne mit Einheiten und runde erst am Ende.
  • Prüfe das Ergebnis auf Plausibilität: Kann ein Lagerumschlag von 400 realistisch sein?
  • Formuliere einen Antwortsatz, wenn eine Deutung verlangt ist.

Wichtig zu wissen

Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.

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Häufige Fragen

Wie berechne ich die Lagerdauer?

360 geteilt durch den Lagerumschlag.

Was zeigt der Lagerumschlag?

Wie oft der durchschnittliche Bestand pro Jahr verbraucht wird.

Ist ein hoher Umschlag immer gut?

Meist ja, aber nicht auf Kosten der Lieferbereitschaft. Ein Sicherheitsbestand bleibt nötig.

Mit 360 oder 365 Tagen rechnen?

Nimm den Wert aus der Aufgabe. In der kaufmännischen Praxis wird oft mit 360 gerechnet.

Quellen und weiterführende Links

Weiter mitABC-Analyse und Lagerplatzvergabe für Logistiker/innen EFZ

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