Qualifikations­verfahren Informatiker/in EFZ: Teile, Noten, Bestehen

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Informatiker/in EFZ · Prüfung · Stand

Das Qualifikationsverfahren (QV, früher Lehrabschlussprüfung) entscheidet, ob du das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Informatiker/in EFZ erhältst. Bei diesem Beruf gibt es keine grosse schriftliche Berufskenntnisse-Prüfung, dafür zählen die individuelle praktische Arbeit und deine Erfahrungsnoten stark. Hier siehst du, wie alles zusammenhängt.

Was das Qualifikationsverfahren für Informatiker/innen ist

Informatiker/in EFZ ist eine vierjährige berufliche Grundbildung. Am Ende steht das Qualifikationsverfahren. Es beruht auf dem Berufsbildungsgesetz (BBG, SR 412.10) und auf der Verordnung des SBFI über die berufliche Grundbildung Informatikerin/Informatiker EFZ vom 19. November 2020 (SR 412.101.220.10), in Kraft seit 1. Januar 2021.

Die Bestimmungen zum Qualifikationsverfahren gelten seit 1. Januar 2025. Wer vor 2021 gestartet ist, schliesst nach der älteren Verordnung von 2013 (mit drei Fachrichtungen) ab, längstens bis 31. Dezember 2026 (Art. 25 der Verordnung). Frag bei deinem Lehrbetrieb oder dem kantonalen Berufsbildungsamt nach, welche Fassung für dich gilt.

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Fragen mit Lösungen

Zulassung und Fachrichtungen

Zum QV wirst du automatisch über deinen Lehrbetrieb und das kantonale Amt angemeldet, wenn du die Lehre im Lehrvertrag absolvierst. Erwachsene ohne Lehre brauchen die nach Art. 32 der Berufsbildungsverordnung (BBV, SR 412.101) erforderliche Berufserfahrung von mindestens fünf Jahren, davon laut Art. 16 der Bildungsverordnung mindestens drei Jahre im Bereich Informatik. Seit 1. September 2025 ist für diesen Beruf zudem ein Qualifikationsverfahren mit Validierung von Bildungsleistungen anerkannt. Das kantonale Amt prüft die Zulassung.

Bei Lehrbeginn wählst du eine von zwei Fachrichtungen. Das bestimmt die Inhalte im zweiten Teil der Lehre.

  • Plattformentwicklung: Netze, Serversysteme und Serverdienste, Ausliefern und Betreiben von ICT-Lösungen.
  • Applikationsentwicklung: Entwickeln, Ausliefern und Betreiben von Applikationen.

Die Qualifikationsbereiche im Überblick

Die Gesamtnote besteht aus vier gewichteten Bereichen. Es gibt keine eigene schriftliche Berufskenntnisse-Prüfung am Ende. Dein Fachwissen fliesst über die Schulnoten der Berufsfachschule in eine Erfahrungsnote ein.

Gewichtung der Qualifikationsbereiche
BereichGewichtWas zählt
Individuelle praktische Arbeit (IPA)40 %Ausführung, Dokumentation, Präsentation mit Fachgespräch
Allgemeinbildung20 %Schulnote und Abschlussprüfung nach separater Verordnung
Erfahrungsnote «Informatikkompetenzen»30 %Modulnoten Berufsfachschule (80 %) und überbetriebliche Kurse (20 %)
Erfahrungsnote «erweiterte Grundkompetenzen»10 %Mittel der acht Semesterzeugnisnoten

Die IPA: Herzstück des Verfahrens

Die individuelle praktische Arbeit dauert 70 bis 90 Stunden und findet gegen Ende der Lehre in deinem Betrieb statt. Du bearbeitest einen echten Auftrag. Die Note setzt sich so zusammen: 50 % Ausführung und Resultat, 20 % Dokumentation, 30 % Präsentation und Fachgespräch (zusammen höchstens eine Stunde). Lerndokumentation und üK-Unterlagen dürfen als Hilfsmittel verwendet werden (Art. 18 der Bildungsverordnung).

Mehr zur IPA findest du im Ratgeber IPA für Informatiker/innen EFZ.

Notenberechnung und Bestehensregel

In der Schweiz gelten Noten von 1 bis 6, wobei 4 genügend ist. Die Gesamtnote wird auf eine Dezimalstelle gerundet. Die Erfahrungsnote «Informatikkompetenzen» besteht zu 80 % aus den Modulnoten der Berufsfachschule und zu 20 % aus den Noten der überbetrieblichen Kurse. Eine Übersicht zum Notensystem findest du unter Schweizer Notensystem.

Das QV ist bestanden, wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Note der IPA ist mindestens 4.0.
  • Die Erfahrungsnote «Informatikkompetenzen» ist mindestens 4.0.
  • Die Gesamtnote ist mindestens 4.0.

Rechenbeispiel: IPA 5.0, Allgemeinbildung 4.5, Informatikkompetenzen 4.5, erweiterte Grundkompetenzen 5.0. Gesamtnote = 0.4 × 5.0 + 0.2 × 4.5 + 0.3 × 4.5 + 0.1 × 5.0 = 2.0 + 0.9 + 1.35 + 0.5 = 4.75, gerundet 4.8.

Wiederholung bei Nichtbestehen

Nach Art. 33 BBV kann das Qualifikationsverfahren höchstens zweimal wiederholt werden. Ein nicht bestandener Qualifikationsbereich wird als Ganzes wiederholt (Art. 20 der Bildungsverordnung). Ist die Erfahrungsnote «Informatikkompetenzen» ungenügend, werden die ungenügenden Module der Berufsfachschule wiederholt, die genügenden Noten bleiben. Ob ein Wiederholungsjahr im Betrieb möglich ist, klärst du mit dem kantonalen Berufsbildungsamt. Wer nur wenig unter 4.0 liegt, sollte früh das Gespräch mit Berufsbildner/in und Berufsfachschule suchen.

Fristen, Kosten und zuständige Stellen

Für Lernende fallen in der Regel keine Prüfungsgebühren an. Bei Wiederholungen oder bei der direkten Zulassung können Gebühren erhoben werden. Die Termine setzt das kantonale Berufsbildungsamt, die IPA wird im Betrieb mit deinem Betrieb abgestimmt. Genaue Daten und Beträge erfährst du beim Amt deines Kantons und bei ICT-Berufsbildung Schweiz.

Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse gibt es für das QV nicht. Sie gelten nur für eidgenössische Prüfungen der höheren Berufsbildung.

Themen, die du lernen musst

Der Bildungsplan gliedert den Beruf in acht Handlungskompetenzbereiche. Die ersten drei gelten für alle, danach folgt die Fachrichtung.

  • Begleiten von ICT-Projekten
  • Unterstützen und Beraten im ICT-Umfeld
  • Aufbauen und Pflegen von digitalen Daten
  • Ausliefern und Betreiben von ICT-Lösungen
  • Betreiben von Netzen
  • Betreiben von Serversystemen und Serverdiensten
  • Entwickeln von Applikationen
  • Ausliefern und Betreiben von Applikationen

Lernplan neben Lehre und Schule

Weil die Erfahrungsnoten über Jahre entstehen, lernst du am besten laufend. Plane pro Woche zwei bis drei kurze Einheiten: eine Repetition des Schulstoffs, eine Übung am echten System (virtuelle Maschine, Testnetz) und eine Notiz ins Lernjournal. Vor der IPA lohnt sich ein Probelauf der Präsentation.

Typische Stolperfallen und einen Wochenplan findest du im Ratgeber Lernplan und typische Fehler. Fachlich helfen dir Subnetting und IP-Adressen und Projektmethoden.

Wichtig zu wissen

Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.

Selbsttest

Beantworte die Fragen im Kopf und öffne dann die Lösung.

Aufgabe 1

Welche Aussage beschreibt den Zweck des V-Modells korrekt?

  1. Es beschreibt ausschliesslich die grafische Gestaltung von Benutzeroberflächen
  2. Es verzichtet komplett auf jede Form von Tests
  3. Es stellt jeder Entwicklungsphase eine passende Verifikations- oder Validierungsaktivität gegenüber
  4. Es ersetzt die Notwendigkeit eines Lastenhefts vollständig
Lösung anzeigen

Richtig: C. Das V-Modell ordnet jeder Entwicklungsphase eine entsprechende Verifikations- oder Validierungsaktivität zu. So entsteht eine frühe, systematische Planung der Qualitätssicherung.

Aufgabe 2

Ein neues Automatisierungsskript für die Benutzerkontenerstellung wurde entwickelt. Was ist vor dem produktiven Einsatz zwingend zu tun?

  1. Das Skript direkt und ungetestet auf alle Produktionssysteme anwenden, um Zeit zu sparen
  2. Das Skript in einer Testumgebung mit repräsentativen Daten prüfen und die Ergebnisse kontrollieren
  3. Das Skript nur von einer einzigen Person ohne jedes Review ausführen lassen und danach ungeprüft übernehmen
  4. Auf Tests verzichten, da Skripte grundsätzlich fehlerfrei seien
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Richtig: B. Vor dem produktiven Einsatz wird ein Skript in einer Testumgebung mit repräsentativen Daten geprüft. So werden Fehler erkannt, bevor sie auf Produktionssysteme wirken.

Aufgabe 3

Welches Kriterium gehört NICHT typischerweise in einen Variantenvergleich für die Umsetzung einer neuen Funktion in der App KlangKurs?

  1. Geschätzter Implementierungsaufwand
  2. Wartbarkeit der Lösung
  3. Die Lieblingsfarbe des Teamleiters
  4. Kompatibilität mit der vorhandenen Architektur
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Richtig: C. Ein Variantenvergleich bewertet sachliche Kriterien wie Aufwand, Wartbarkeit und Kompatibilität. Persönliche Vorlieben haben darin keinen Platz.

Beispielfragen aus dem Gratis-Test

Wähle eine Antwort im Kopf und öffne dann die Lösung.

Frage 1

Was versteht man im Rahmen eines ICT-Projekts unter einer Stakeholderanalyse?

  1. Die systematische Erfassung aller Personen und Gruppen, die ein Interesse am Projekt haben oder davon betroffen sind
  2. Die technische Prüfung, ob die gewählte Serverhardware ausreichend Leistung bietet
  3. Die Berechnung der Projektkosten anhand der geschätzten Personentage
  4. Die Dokumentation der eingesetzten Programmiersprachen im Pflichtenheft
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Richtig: A. Die Stakeholderanalyse identifiziert und bewertet alle Personen und Gruppen, die Einfluss auf das Projekt haben oder von ihm betroffen sind, zum Beispiel Auftraggeberin, Anwenderinnen und Anwender oder der IT-Betrieb. Sie bildet die Grundlage, um Bedürfnisse gezielt abzuklären. Ohne sie werden wichtige Anspruchsgruppen leicht übersehen.

Frage 2

Was versteht man unter 'technischen und organisatorischen Massnahmen' (TOM) im Datenschutz?

  1. Ein Vertrag zwischen zwei Lieferanten ohne Bezug zu Personendaten
  2. Konkrete Massnahmen wie Verschlüsselung, Zugriffskonzepte und Schulungen zum Schutz von Personendaten
  3. Eine Liste der verkauften Softwarelizenzen
  4. Eine Marketingstrategie zur Kundengewinnung
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Richtig: B. Technische und organisatorische Massnahmen (TOM) sind konkrete Schutzmassnahmen wie Verschlüsselung, Zugriffskonzepte oder Schulungen, die die Datensicherheit gewährleisten sollen.

Frage 3

Welcher Datentyp ist für ein Attribut «Geburtsdatum» in einer relationalen Tabelle am besten geeignet?

  1. Ein Datumstyp (z. B. DATE)
  2. Ein freier Text-Typ ohne weitere Prüfung
  3. Ein Wahrheitswert-Typ (Boolean)
  4. Ein Binärdaten-Typ für Bilddateien
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Richtig: A. Ein Datumstyp stellt sicher, dass nur gültige Kalenderdaten gespeichert werden können, und erlaubt direkte Berechnungen wie das Ermitteln des Alters. Ein freies Textfeld bietet diese Sicherheit und Funktionalität nicht.

Frage 4

Welche Aufgabe hat ein Change Advisory Board (CAB) im Auslieferungsprozess?

  1. Es führt die technische Installation der Lösung selbst durch
  2. Es ist ausschliesslich für die Rechnungsstellung an die Kundschaft zuständig
  3. Es ersetzt die Testphase vollständig, sodass kein Testen mehr nötig ist
  4. Es prüft geplante Änderungen bzw. Releases und entscheidet über deren Freigabe
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Richtig: D. Ein Change Advisory Board prüft geplante Änderungen anhand definierter Kriterien (Risiko, Testergebnisse, Auswirkungen) und entscheidet, ob ein Release freigegeben wird.

Frage 5

Wozu dient ein zentrales Syslog-System im Netzwerkbetrieb?

  1. Automatische Vergabe von IP-Adressen an Endgeräte
  2. Sammeln und Auswerten von Log- und Ereignismeldungen verschiedener Geräte an einem Ort
  3. Verschlüsselung des WLAN-Datenverkehrs
  4. Lastverteilung auf mehrere Server
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Richtig: B. Ein zentrales Syslog-System sammelt Ereignis- und Fehlermeldungen von verschiedenen Netzwerkkomponenten an einer Stelle, was die Auswertung und Fehlersuche im Betrieb deutlich vereinfacht.

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Häufige Fragen

Gibt es bei Informatiker/in EFZ eine schriftliche Berufskenntnisse-Prüfung?

Nach der Verordnung von 2020 nicht als eigenen Prüfungstag. Das Berufswissen zählt über die Erfahrungsnote «Informatikkompetenzen».

Wie lange dauert die IPA?

70 bis 90 Stunden, abgeschlossen mit Präsentation und Fachgespräch von höchstens 60 Minuten.

Ab welcher Note habe ich bestanden?

IPA, Erfahrungsnote «Informatikkompetenzen» und Gesamtnote müssen je mindestens 4.0 sein.

Kann ich das QV wiederholen?

Ja, nach Art. 33 BBV höchstens zweimal. Die Details regelt das kantonale Berufsbildungsamt.

Gibt es Bundesbeiträge für Kurse?

Nein, die gibt es nur für eidgenössische Berufs- und höhere Fachprüfungen.

Quellen und weiterführende Links

Weiter mitIPA Informatiker/in EFZ: Ablauf, Bewertung, Präsentation

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