Wirtepatent und Wirteprüfung 2027: Kantone, G1, Ablauf, Kosten

KostenlosVor dem Kauf ausprobieren
Mit ErklärungAntworten nachvollziehen
CHF 70Einmalig für 12 Monate
Kein AboKeine automatische Verlängerung

Wirtepatent · Prüfung · Stand

Wer in der Schweiz ein Restaurant oder eine Bar führen will, braucht in den meisten Kantonen einen Fähigkeitsausweis, das Wirtepatent. Es ist kein eidgenössischer Fachausweis, sondern wird kantonal geregelt. Dieser Ratgeber zeigt, wie die kantonalen Wirteprüfungen und das G1-Zertifikat von GastroSuisse zusammenhängen, was geprüft wird und wie du dich neben dem Job vorbereitest.

Was ist das Wirtepatent?

Das Wirtepatent ist der Nachweis, dass du die rechtlichen und fachlichen Grundlagen zum Führen eines gastgewerblichen Betriebs kennst. Es geht um Gastgewerberecht, Lebensmittelrecht und Hygiene, Alkohol und Jugendschutz, Arbeitsrecht, Vertragsrecht sowie Rechnungswesen und Kalkulation.

Das Gastgewerbe ist in der Schweiz Sache der Kantone. Jeder Kanton legt in seinem Gastgewerbegesetz fest, ob und welchen Fähigkeitsausweis er für einen Betrieb verlangt. Nicht jeder Kanton schreibt das Patent zwingend vor, die meisten tun es aber. Wo du den Betrieb eröffnen willst, entscheidet deshalb, welche Prüfung für dich gilt.

Wissen direkt prüfen23 kostenlose Fragen mit Lösungen und Erklärungen, direkt lesbar und ohne Anmeldung.
Fragen mit Lösungen

Zwei Wege zum Fähigkeitsausweis

Es gibt im Kern zwei Wege, die sich in der Praxis oft ergänzen.

  • Kantonale Wirteprüfung: Der Kanton oder eine von ihm beauftragte Stelle führt die Prüfung durch. Aufbau, Dauer und Gebühren unterscheiden sich von Kanton zu Kanton.
  • G1-Zertifikat von GastroSuisse: Es besteht aus sechs Modulprüfungen und einer Zertifikatsprüfung und wird laut den Anbietern in allen Kantonen als Fähigkeitsausweis anerkannt. Es ist ausserdem die Grundlage für die weiterführende Berufsprüfung G2 (siehe Gastro-Betriebsleiter/in G2).

Kläre vor der Anmeldung bei der Behörde deines Kantons, welche Prüfung dort für dein Vorhaben verlangt wird. Mehr dazu im Ratgeber Kantone, G1 und Zulassung im Vergleich.

Prüfungsaufbau: Beispiele aus den Kantonen

Weil die Prüfung kantonal geregelt ist, gibt es keinen einheitlichen Prüfungsplan. Die folgenden Angaben stammen vom Kursanbieter wirtepatent.ch (Stand November 2026) und sind Beispiele. Wo nichts steht, haben wir die Angabe nicht bestätigen können.

Beispiele für Prüfungsformate
PrüfungAufbauBestehen
St. GallenSchriftlich, Single Choice, 90 Minuten. Der Vorbereitungskurs behandelt Lebensmittelsicherheit, Selbstkontrolle und Prävention.Mindestens Note 4
AargauVier Teilprüfungen, einzeln oder zusammen ablegbar.Beim Kanton nachfragen
BernVier Teilprüfungen, einzeln oder zusammen ablegbar. Das Ergebnis heisst «Kompetenznachweis Gastronomieführung».Beim Kanton nachfragen
G1 (Schweiz)Sechs Modulprüfungen und eine Zertifikatsprüfung.Gemäss Reglement des Anbieters

Notenberechnung

In der Schweiz zählen Noten von 1 bis 6, wobei 4 «genügend» bedeutet. In St. Gallen ist die Prüfung bestanden, wenn du die Note 4.0 oder besser erreichst. Welche Punktzahl dafür nötig ist, legt die Prüfung mit ihrer Notenskala fest. Wie Noten gerundet und gemittelt werden, erklärt der Ratgeber Schweizer Notensystem bei Prüfungen.

Kosten

Die Gebühren sind kantonal verschieden. Beispiele laut wirtepatent.ch (Stand November 2026): In Bern kostet jede der vier Teilprüfungen CHF 170, in St. Gallen kostet die Prüfung CHF 300, im Aargau CHF 480. Für G1 nennen die Anbieter eigene Tarife, zum Beispiel E-Learning bei Gastro Ostschweiz CHF 575 pro Modul. Dazu kommen je nach Weg Prüfungsgebühren, Lehrmittel und eventuell Kurse.

Bundesbeiträge gibt es für das Wirtepatent nicht, weil es keine eidgenössische Prüfung ist. Die Rückerstattung gilt nur für Kurse, die auf eidgenössische Prüfungen vorbereiten, wie bei der Berufsprüfung G2 (Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse).

Termine und zuständige Stelle

Prüfungsdaten, Anmeldefristen und die Zulassung findest du beim Kanton, in dem du die Prüfung ablegen willst, und für G1 bei GastroSuisse und den Modulanbietern. Eine Übersicht der Kantone führt wirtepatent.ch. Prüfe die Termine für 2027 früh, denn manche Kantone führen die Prüfung nur wenige Male pro Jahr durch.

Die Themenbereiche

Unsere Übungsfragen decken acht Themenbereiche ab. Du kannst sie einzeln üben und so deine Schwächen gezielt angehen.

  • Gastgewerbliches Recht (Patent, Bewilligung)
  • Lebensmittelrecht und Hygiene
  • Suchtprävention und Jugendschutz
  • Arbeitsrecht und L-GAV
  • Vertragsrecht und Haftung
  • Rechnungswesen und Kalkulation
  • Betriebswirtschaft, Personal, Marketing, Qualität
  • Arbeitssicherheit, Umwelt, Entsorgung

Je nach Kanton sind nicht alle Bereiche Teil der Prüfung. Der St. Galler Vorbereitungskurs behandelt zum Beispiel Lebensmittelsicherheit, Selbstkontrolle und Prävention. Schau in das Reglement deiner Prüfung.

Lernplan neben dem Job

Rechne mit 8 bis 10 Wochen bei etwa fünf Stunden pro Woche. Beginne mit dem Recht deines Kantons, weil dort die meisten Fragen mit festen Regeln liegen. Danach folgen Lebensmittelrecht und Hygiene sowie Jugendschutz. Rechnen übst du in kurzen, regelmässigen Einheiten, zum Beispiel mit dem Thema Kalkulationsfaktor und Preisberechnung.

Einen vollständigen Wochenplan und die häufigsten Fehler findest du im Ratgeber Lernplan und typische Fehler. Fürs Lebensmittelrecht lohnt sich der Ratgeber Allergene und Selbstkontrolle.

Für wen sich welcher Weg eignet

Wer in einem einzelnen Kanton ein bestehendes Lokal übernehmen will, ist mit der kantonalen Prüfung meist gut bedient. Sie ist auf die Regeln des Kantons zugeschnitten. Wer in der Branche weiterkommen will, etwa als Betriebsleiterin oder Betriebsleiter, profitiert vom G1-Zertifikat, weil es die Grundlage für die Berufsprüfung G2 bildet.

Auch dein Vorwissen spielt eine Rolle. Wer bereits im Service oder in der Küche arbeitet, kennt Hygiene und Abläufe, braucht aber häufig mehr Zeit für Recht und Rechnen. Wer aus einem anderen Beruf kommt, beginnt mit den Grundlagen des Gastgewerberechts und übt die Hygieneregeln früh.

  • Kläre zuerst Kanton und Prüfungsform.
  • Hole die Unterlagen der Prüfung (Reglement, Stoffübersicht) ein.
  • Plane die Anmeldung rechtzeitig, weil Termine begrenzt sein können.
  • Lege fest, wie viele Stunden pro Woche du realistisch lernen kannst.

Wichtig zu wissen

Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.

Selbsttest

Beantworte die Fragen im Kopf und öffne dann die Lösung.

Aufgabe 1

Der Turnverein Hinterdorf organisiert ein zweitägiges Dorffest mit Festwirtschaft. Wie ist die Rechtslage im Grundsatz?

  1. Weil der Verein nicht gewinnorientiert ist, ist für den Ausschank bei Festen keinerlei Bewilligung nötig
  2. Der Verein braucht dafür dasselbe Wirtepatent wie ein ganzjährig geführtes Restaurant im Dorf
  3. Für einzelne Anlässe mit Ausschank kennen die Kantone in der Regel eine besondere Bewilligung für Gelegenheitswirtschaften
  4. Eine Bewilligung ist nur bei Festen mit mehr als einer Übernachtung der auswärtigen Gäste vorgeschrieben
Lösung anzeigen

Richtig: C. Die Kantone regeln Gelegenheitswirtschaften meist separat und mit leichteren Voraussetzungen als den Dauerbetrieb. Eine Bewilligung ist aber auch für Vereine in der Regel nötig.

Aufgabe 2

In der Dorfbeiz Eintracht in Sursee wird eine Platte mit Kalkulationsfaktor 4 kalkuliert. Welchen Anteil macht der Wareneinsatz am Nettoverkaufspreis aus?

  1. Ein Viertel, also 25 % des Nettoverkaufspreises
  2. Ein Drittel, also rund 33 % des Nettoverkaufspreises
  3. Vier Fünftel, also 80 % des Nettoverkaufspreises
  4. Vier Prozent des Nettoverkaufspreises
Lösung anzeigen

Richtig: A. Der Wareneinsatzanteil ist der Kehrwert des Faktors: Faktor 4 ergibt 1/4 oder 25 %. Je höher der Faktor, desto kleiner der Wareneinsatzanteil.

Aufgabe 3

Ein Gast mit Laktoseintoleranz fragt im Restaurant Bahnhof nach Milchzucker in einer Rahmsauce. Wie ist Laktose im Allergenrecht einzuordnen?

  1. Laktose ist ein reiner Zucker und gehört deshalb nicht zu den besonders genannten Stoffen
  2. Milch und Milchprodukte, einschliesslich Laktose, stehen auf der Liste der Stoffe, die genannt werden müssen
  3. Nur Milcheiweiss ist ein allergener Stoff, Milchzucker muss gar nie angegeben oder erwähnt werden
  4. Laktose muss nur bei Säuglingsnahrung deklariert werden, in der Gastronomie ist sie nie auskunftspflichtig
Lösung anzeigen

Richtig: B. Zu den allergenen Stoffen gehören Milch und Milchprodukte einschliesslich Laktose. Gäste mit Laktoseintoleranz haben deshalb Anspruch auf eine zutreffende Auskunft.

Beispielfragen aus dem Gratis-Test

Wähle eine Antwort im Kopf und öffne dann die Lösung.

Frage 1

Bei einer Kontrolle werden in einem Gastbetrieb schwere Hygienemängel mit akuter Gesundheitsgefahr festgestellt. Darf die Behörde den Betrieb schon vor Abschluss des Verfahrens schliessen?

  1. Nein, eine Schliessung ist erst nach einem rechtskräftigen Entscheid zulässig
  2. Ja, wenn eine akute Gefahr besteht, kann sie den Betrieb vorsorglich sofort schliessen
  3. Nein, nur mit schriftlicher Zustimmung des Inhabers darf der Betrieb geschlossen werden
  4. Nein, zuerst sind mindestens drei Verwarnungen nötig, bevor eine Schliessung angeordnet werden kann
Lösung und Erklärung anzeigen

Richtig: B. Bei einer unmittelbaren Gefahr für die Gesundheit sind vorsorgliche Massnahmen bis hin zur sofortigen Schliessung möglich. Das dient dem Schutz der Gäste und ist verhältnismässig, wenn die Gefahr akut ist.

Frage 2

Auf welche Strecke bezieht sich der Grundsatz, dass Lebensmittel sicher sein müssen?

  1. Auf die gesamte Lebensmittelkette vom Erzeuger bis zur Abgabe an die Konsumierenden
  2. Auf den Hersteller des Produkts, weil der Gastbetrieb fertige Waren lediglich weitergibt und für deren Sicherheit nicht einsteht
  3. Auf den Gastbetrieb, der als Letzter in der Kette steht und deshalb sämtliche Risiken früherer Stufen übernimmt
  4. Ausschliesslich auf die kantonalen Behörden, die jede Stufe der Kette laufend selbst überwachen und freigeben
Lösung und Erklärung anzeigen

Richtig: A. Das Lebensmittelrecht erfasst alle Stufen von der Primärproduktion über Verarbeitung und Handel bis zur Abgabe. Jede Stufe ist für ihren Bereich verantwortlich. Der Gastbetrieb steht am Ende der Kette und muss deshalb seine Lieferanten sorgfältig auswählen und die Ware kontrollieren.

Frage 3

Welche Beobachtung deutet bei einem Stammgast am ehesten auf ein riskantes Konsummuster hin, das der Wirt vorsichtig ansprechen sollte?

  1. Der Gast bestellt jeden Freitag zum Znacht ein Glas Wein und bleibt danach in guter Stimmung bei seinen Kollegen.
  2. Der Gast feiert einmal im Jahr seinen Geburtstag im Lokal und trinkt dann etwas mehr als gewöhnlich.
  3. Der Gast trinkt zunehmend früher am Tag, verträgt immer mehr und reagiert gereizt, wenn man seinen Konsum erwähnt.
  4. Der Gast bestellt bei jedem Besuch ein alkoholfreies Getränk und trinkt deutlich weniger als andere Gäste.
Lösung und Erklärung anzeigen

Richtig: C. Warnzeichen sind Steigerung der Menge, früherer Beginn, Kontrollverlust und Abwehr bei Ansprache. Gelegentlicher oder moderater Konsum und Verzicht sind unauffällig. Der Wirt spricht Beobachtungen respektvoll an und verweist bei Bedarf auf Beratungsstellen.

Frage 4

Der Aushilfe Lea Brunner wird am 20.06.2026 siebzehn Jahre alt und arbeitet seit längerem im Betrieb «Seeblick» in Zug. Ab wann ist ihr Lohn grundsätzlich AHV-beitragspflichtig?

  1. Ab dem 20.06.2026, also bereits am Tag des 17. Geburtstags.
  2. Ab dem 01.07.2026, also am ersten Tag des Monats nach dem 17. Geburtstag.
  3. Ab dem 01.01.2028, also erst nach Vollendung des 18. Altersjahres und der Volljährigkeit.
  4. Ab dem 01.01.2027, also ab dem 1. Januar nach Vollendung des 17. Altersjahres.
Lösung und Erklärung anzeigen

Richtig: D. Erwerbstätige sind ab dem 1. Januar nach Vollendung des 17. Altersjahres beitragspflichtig. Für Lea Brunner ist das der 01.01.2027. Die Volljährigkeit spielt dafür keine Rolle.

Frage 5

Beim Abschluss einer Gebäudeversicherung für das Hotel «Alpenrose» verschweigt der Inhaber, dass im Vorjahr ein Wasserschaden mit grossem Ausmass eingetreten ist, obwohl der Versicherer im Antrag danach gefragt hat. Was kann der Versicherer nach Kenntnis davon tun?

  1. Er kann den Vertrag innert vier Wochen seit Kenntnis der Verschweigung durch schriftliche Erklärung kündigen
  2. Er muss den Vertrag unverändert weiterführen, weil frühere Schäden dem Antragsteller niemals schaden dürfen
  3. Er kann den Vertrag jederzeit ohne Frist und ohne Grund rückwirkend aufheben, auch Jahre nach dem Abschluss
  4. Er darf nur eine höhere Prämie verlangen, aber den Vertrag nicht beenden, weil die Anzeigepflicht nur ein Hinweis ist
Lösung und Erklärung anzeigen

Richtig: A. Wer beim Vertragsabschluss erhebliche Gefahrstatsachen, nach denen der Versicherer ausdrücklich gefragt hat, verschweigt oder unrichtig mitteilt, verletzt die Anzeigepflicht. Der Versicherer kann dann den Vertrag innert vier Wochen nach Kenntnis durch schriftliche Erklärung kündigen. Die Wirtschaftlichkeit der Prämie ändert daran nichts.

Kostenlos testen

Wirtepatent: 1'177 Übungsfragen mit Erklärung

20 Fragen pro Themenbereich und das erste Theoriekapitel, ohne Karte und ohne Anmeldung als Gast.

Gratis üben Zur Prüfung

Häufige Fragen

Brauche ich das Wirtepatent in jedem Kanton?

Nein. Das Gastgewerbe ist kantonal geregelt, und nicht jeder Kanton schreibt einen Fähigkeitsausweis zwingend vor. In den meisten Kantonen ist er aber nötig. Frag bei der zuständigen Behörde deines Kantons nach.

Ist das Wirtepatent ein eidgenössischer Fachausweis?

Nein. Es wird kantonal geregelt. Das G1-Zertifikat von GastroSuisse ist ein Branchenzertifikat, das schweizweit als Fähigkeitsausweis anerkannt wird. Der eidgenössische Fachausweis in der Branche ist die Berufsprüfung G2.

Was kostet die Wirteprüfung?

Das hängt vom Kanton ab. Laut wirtepatent.ch kostet in Bern jede der vier Teilprüfungen CHF 170, in St. Gallen die Prüfung CHF 300. G1-Preise legt jeder Anbieter selbst fest. Aktuelle Preise findest du bei der Behörde bzw. beim Anbieter.

Kann ich die Prüfung in einem anderen Kanton ablegen als dem, in dem ich arbeite?

Das regelt jeder Kanton selbst. Frag zuerst, ob das Patent des Prüfungskantons in deinem Zielkanton anerkannt wird. Das G1-Zertifikat gilt laut Anbietern in allen Kantonen als Fähigkeitsausweis.

Wie bestehe ich die Prüfung?

In St. Gallen gilt die Prüfung laut wirtepatent.ch mit mindestens Note 4 als bestanden. In anderen Kantonen und für G1 gelten eigene Regeln. Sie stehen im jeweiligen Reglement.

Quellen und weiterführende Links

Weiter mitWirtepatent: kantonale Prüfung oder G1-Zertifikat, welcher Weg passt?

Weitere Ratgeber